Bürgerstiftung Landshut für Deutschen Engagementpreis 2014 nominiert
Sowohl die Bürgerstiftung Landshut als auch die Stiftungsvorsitzende Anke Humpeneder-Graf sind für den Deutschen Engagementpreis 2014 nominiert. Das Konzept des Bürgerhauses Landshut erfährt durch diese Nominierung eine besondere Anerkennung. Die Bürgerstiftung – und als Doppelnominierung auch die Vorsitzende als Person - wurden aufgrund ihres Einsatzes für die benachteiligen Menschen im Brennpunktviertel der Stadt Landshut für den Deutschen Engagementpreis vorgeschlagen. „Die Nominierung ist eine große Ehre und Freude für mich persönlich und für alle unsere Mitarbeiter, Helfer und Unterstützer. Wir freuen uns sehr über dieses Zeichen der Wertschätzung für unseren Beitrag für das soziale und gedeihliche Miteinander in unserer Stadt.“
Der Deutsche Engagementpreis stärkt die Aufmerksamkeit und die Anerkennung für freiwilliges Engagement in Deutschland. Träger des Preises ist das Bündnis für Gemeinnützigkeit, ein Zusammenschluss von großen Dachverbänden und unabhängigen Organisationen des Dritten Sektors. Förderer sind das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und der Generali Zukunftsfonds.
Seit 2009 wird der Deutsche Engagementpreis jährlich in den Kategorien Gemeinnütziger Dritter Sektor, Einzelperson, Wirtschaft sowie Politik & Verwaltung ausgelobt. Mit der Schwerpunktkategorie „Miteinander der Generationen“ würdigt der Deutsche Engagementpreis in diesem Jahr insbesondere Personen, Initiativen und Organisationen, die sich für den Zusammenhalt der Generationen engagieren und damit vorbildlich für die Zukunft des Gemeinwohls einsetzen. Auch das Bürgerhaus Landshut fördert mit seinem Ansatz der Gemeinwesenarbeit das übergreifende Miteinander und hält als Anlaufstelle für Hilfe zur Selbsthilfe Angebote bereit, die die Vernetzung der Generationen fördern – gerade weil die Isolation ohne die nötigen gewachsenen Familienstrukturen bei der hohen Quote von Menschen mit Migrationshintergrund besonders hoch ist.
Eine Experten-Jury wählt im September die Preisträger sowie die 15 Finalisten für den Publikumspreis. Den Gewinner des mit 10 000 Euro dotierten Publikumspreises wählen die Bürger im Oktober unter www.deutscher-engagementpreis.de. Alle Preisträger des Deutschen Engagementpreises werden im Rahmen einer feierlichen Preisverleihung am 5. Dezember 2014, dem internationalen Tag des Ehrenamtes, in Berlin bekanntgegeben und ausgezeichnet.
Zum Bild Websticker:
Als Nominierte darf die Bürgerstiftung den Websticker des Deutschen Engagementpreises tragen.
Tagung zur Finanzierung gemeinnütziger Arbeit lernt von Landshuter Projekt
Beim Fundraisingtag München im HVB-Forum der Hypo-Vereinsbank wurde das Bürgerhaus Landshut vorgestellt. In ihrem einstündigen Vortrag im großen Maximilian-Saal informierte die Vorsitzende der Bürgerstiftung Landshut, Anke Humpeneder-Graf, die zum Teil von weither angereisten Fachleute aus dem Non-Profit-Bereich. Im Vordergrund des mit „Eine Million für das Bürgerhaus“ betitelten Vortrags stand das Fundraising, bei dem zahlreiche Unternehmen beispielhaft für die Region Landshut zusammengewirkt haben.
Der Vortrag behandelte das sozialpädagogische Konzept des Hauses, die Akquise von Großspenden und zugleich die Mitnahme der Bevölkerung mit zahlreichen Kleinspendenaktionen. Auch die gelungene Einbindung großer Namen, wie den des Sternstunden e.V. oder des FC Bayern-München wurde thematisiert, außerdem die Partnerschaft mit der Stadt Landshut und dem Fußballverein FC Eintracht und nicht zuletzt die Hürden auf dem Weg zur Realisierung und der konstruktive Umgang mit den Rückschlägen.
Das Fundraiser-Magazin richtet den Kongress, bei dem neben Humpeneder-Graf auch Dr. Wilfried Vyslozil, der Vorstand der SOS-Kinderdörfer weltweit referierte, als „Tagung zur Finanzierung gemeinnütziger Arbeit“ alljährlich in München, Dresden, Potsdam und Gelsenkirchen aus. In seiner aktuellen Ausgabe veröffentlicht das Magazin eine Studie über die sog. „Major Giving Skills“, die Persönlichkeits- und Sozialkompetenzen, die man im Großspenden-Fundraising braucht. Diese Königsdisziplin des Fundraisings sei bislang noch sehr rar im deutschsprachigen Raum. Entsprechend viele Fragen wurden in der an den Vortrag anschließenden Diskussion an die Referentin gestellt. „Die professionellen Fundraiser im Publikum musste ich aber enttäuschen“, so Humpeneder-Graf, „weil unser Fundraising rein ehrenamtlich und komplett auf der persönlichen Ebene abgelaufen ist. Da war es vor allem wichtig, sich in die Augen zu schauen und sich gegenseitig zu vertrauen.“
Zum Bild (Foto: Paul Raphael Stadelhofer): Anke Humpeneder-Graf bei ihrem reich bebilderten Vortrag über das „Making-of“ des Bürgerhauses Landshut im Rahmen des Münchener Fundraisingtages.
Am Beispiel von Cindy Kruck und Simone Vacchiano lobt das ZEIT-Magazin Stiftungen in seiner Ausgabe vom Dezember 2013 die sinnvolle Arbeit der Bürgerstiftung Landshut im Bürgerhaus.
„Ein nachhaltiger Ort“
Analyse, Rückblick, Ausblick: Stifterforum 2013 erstmals im Bürgerhaus
Erstmals konnte Susanne Fischer, Stiftungsratsvorsitzende der Bürgerstiftung Landshut, im sechsten Jahr des Bestehens der Bürgerstiftung zum Stifterforum ins stiftungseigene Bürgerhaus einladen, wo sich die Besucher auch ein Bild von den räumlichen Möglichkeiten vor Ort machen konnten.
Eigentlich dient das alljährlich einberufene Stifterforum der Information der 114 Stifter über die Arbeit des Vorstandes. Aber es ist eine von Beginn an gepflegte Tradition bei der Bürgerstiftung Landshut, jeweils auch einen Gastreferenten einzuladen, der Kompetentes zu einem spezifischen – in der Regel sozialen – Thema zu sagen hat. In diesem Jahr war das Frau Prof. Dr. Mechthild Wolff vom Lehrstuhl Soziale Arbeit an der Hochschule Landshut. Das Interessante dabei: Mit einer 20-köpfigen Studentengruppe hatte sie sich ein Semester lang mit den Problemen der Bewohner in der Porschestraße auseinandergesetzt. Wolff berichtete vom Interessen- und Raumkonflikt, den man auf dem zentralen Spielplatz in der Porschestraße vorgefunden und zu dem man eine ausführliche Analyse erstellt habe. Das Wohnquartier bezeichnete sie als Viertel mit besonderem Entwicklungsbedarf.
Das Werden des Bürgerhauses von den ersten Planungsschritten bis zum aktuellen Status Quo stellte die Vorstandsvorsitzende der Stiftung, Anke Humpeneder-Graf, in Ihrer Rechenschaftsablage anhand einer komprimierten Bilderfolge dar. Das Bürgerhaus, an dessen Realisierung in den vergangenen drei Jahren intensiv gearbeitet wurde, sei nicht einfach irgendein Projekt der Bürgerstiftung, sondern es sei ein nachhaltiger Ort, an dem zahlreiche weitere Projekte entstehen können bzw. bereits entstanden sind.
An die beiden Vorträge schloss sich eine lebhafte Diskussion über die Nutzung des Bürgerhauses an. Ziel des Hauses ist nicht zuletzt, im Wohnviertel eine Entzerrung zu ermöglichen. Dazu stellt das Haus in seinen Räumen Angebote zur Verfügung, welche von den Anwohnern aber auch für Feiern wie etwa Kindergeburtstage genutzt werden können. Die Sozialpädagogik-Professorin Wolff, deren Lehrgebiet erziehungswissenschaftliche Aspekte Sozialer Arbeit sind, konnte dazu weitere, interessante Anregungen geben.
Zum Bild (v.r.n.l.): Referierten beim Stifterforum 2013: Vorstandsvorsitzende Anke Humpeneder-Graf, Stiftungsratsvorsitzende Susanne Fischer, Sozialpädagogin Prof. Dr. Mechthild Wolff und Vorstandsmitglied Friederike Appold. Mit im Bild Bürgerhausleiterin Julia Witzke.
Unabhängig, transparent und gemeinwohlorientiert
239 Bürgerstiftungen in Deutschland tragen das Gütesiegel des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen, darunter auch die Bürgerstiftung Landshut. Gütesiegel-Bürgerstiftungen entsprechen den „10 Merkmalen einer Bürgerstiftung“, die sie unter anderem zu Unabhängigkeit, Gemeinwohlorientierung, Transparenz und offenen Strukturen verpflichten. „Wir freuen uns natürlich, dass wir nun seit 2009, seit wir uns das erste Mal darum beworben haben, durchgehend positiv zertifiziert sind“, so Stiftungsvorsitzende Anke Humpeneder-Graf, die wie alle ihre Kollegen ehrenamtlich arbeitet. „Aber was dafür gefordert wird sehen wir nicht als Hürde, das sollte vielmehr eine Selbstverständlichkeit sein, wenn man mit dem Geld anderer Leute wirtschaftet.“
Die Initiative Bürgerstiftungen ist das unabhängige Kompetenzzentrum für alle Fragen zum Thema Bürgerstiftungen. Als Projekt des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen wird sie gefördert vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, der Robert Bosch Stiftung, der Breuninger Stiftung, der Körber-Stiftung, dem Generali Zukunftsfonds und der Dr. Jürgen Rembold Stiftung für bürgerschaftliches Engagement. „Bürgerstifter sind heute die größte Gruppe lebender Stifter“, sagt Prof. Dr. Hans Fleisch, Generalsekretär des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen. „Wer in seinem Umfeld etwas bewegen will, ist bei Bürgerstiftungen bestens aufgehoben. Ein Vorteil ist ihre Offenheit – für Engagementwillige, neue Themen und kreative Projektideen. Ihre Unabhängigkeit schützt sie darüber hinaus vor Instrumentalisierung durch einzelne andere Akteure.“
2011 belief sich das Stiftungskapital der Bürgerstiftungen erstmals auf mehr als 200 Millionen Euro. Binnen eines Jahres ist es um mehr als 20 Millionen Euro gestiegen. Rund 15 Millionen Euro konnten die deutschen Bürgerstiftungen 2011 in das Gemeinwohl investieren. Der überwiegende Anteil davon stammt aus Vermögenserträgen, 5,7 Millionen Euro aus Spenden. „Dass mehr als ein Drittel der Mittel Spenden sind, zeigt, dass viele Bürgerstiftungen die Kunst beherrschen, projektbezogen Gelder einzuwerben. Sie genießen hohes Vertrauen und bekommen die Kompetenz zugeschrieben, Probleme pragmatisch zu lösen. Darüber hinaus offenbart es sich in Zeiten niedriger Zinsen als Vorteil, nicht allein von den Erträgen des Stiftungskapitals abhängig zu sein“, sagt Prof. Dr. Burkhard Küstermann, Leiter der Initiative Bürgerstiftungen. Besonders populär bei Bürgerstiftungen sind Projekte für Bildung, Erziehung und Jugend.
Im Gegensatz zu klassischen Stiftungen sind die finanziellen Mittel der Bürgerstiftungen nur ein Pfeiler ihrer Arbeit. Ihre Schlagkraft vor Ort beruht auch auf der Engagementbereitschaft der Akteure: 480.000 Stunden haben die Engagierten ihren Bürgerstiftungen im letzten Jahr gespendet. Noch immer werden 97 Prozent der Arbeit in Bürgerstiftungen ehrenamtlich verrichtet. In Deutschland gibt es rund 21.000 Bürgerstifter. Das geht aus der aktuellen Umfrage der Initiative Bürgerstiftungen hervor. Innerhalb der letzten sechs Jahre hat sich damit die Anzahl der Menschen, die sich finanziell an einer Bürgerstiftung beteiligen, fast verdoppelt. Die erste deutsche Bürgerstiftung wurde 1996 errichtet.
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